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Stunden gestohlen, Liebe gespendet

März 28th, 2010

Gelegenheitsblogging mache ich hier. Ich könnte als warnenden Hinweis eigentlich noch “bloggt aber nur einmal pro Jahr” in den Untertitel setzen. Oder das Bloggen gleich ganz ad acta legen? Es ist nicht die Unlust, es ist der Zeitmangel. Wenn die Tage so aussehen, dass man sich an manchen keine zwei Minuten am Stück hinsetzen kann, ist das Bloggen irgendwie nur noch sekundär wichtig - Schlaf und Ruhepausen hingegen sind unglaublich wertvoll und auch wesentlich effektiver, wenn es um die Bekämpfung furchentiefer Augenringe geht.

An denen das Kind keine - oder fast keine - Schuld trägt. Seit drei bis vier Monaten (ich weiß es schon nicht mehr; Mütterdemenz?) schläft L mustergültig von 19 Uhr abends bis Punkt sieben morgens zwölf Stunden am Stück. Darauf kann man sich verlassen. Punkt sieben. Keine Minute eher, keine Minute später. Es ist immer exakt sieben Uhr, wenn ich auf den elektronischen Wecker gucke, dem der humane Wecker schon vor langer Zeit den Rang abgelaufen hat. Würde ich also mit L zusammen ins Bett gehen, könnte ich satte zwölf Stunden schlafen. Dass ich das nicht tue, ist wohl eher meine eigene Schuld. Aber wann soll ich all die Dinge erledigen, zu denen ich tagsüber nicht komme? E-Mails-checken geschweigedenn -beantworten ist nicht so einfach, wenn man eine flottmobile fast Einjährige gleichzeitig davon abhalten muss, das Porzellan aus dem Küchenschrank zu ziehen, sich die Klobürste im Gäste-WC näher anzugucken, sich die Finger in der Flurschublade einzuklemmen, die Treppe im Alleingang hochzuklettern, die Zeitungen vom Couchtisch zu ziehen und anschließend komplett zu zerfetzen, die Fernbedienungen runterzuangeln und mit geübtem Griff die Batteriefachdeckel zu entfernen, um die Batterien herauszunehmen und abzulutschen, sich an der Jalousieschnur zu strangulieren, die Kindersicherungen aus sämtlichen Steckdosen zu puhlen, den Haustürschlüssel aus dem Schloss zu ziehen und irgendwo im Haus zu verstecken, wo Mutti ihn ganz bestimmt nicht findet, das DVD-Regal innerhalb von zehn Sekunden leer zu räumen, den Kopf in den Kaminofen zu stecken und sich dabei schön einzurußen, mit den schwarzen Fingern hinterher überall Spuren zu hinterlassen, die Karten aus dem Café-International-Spiel in die Staubsaugerlüftungsritzen zu stecken…

usw

usw

usw.

Und ich habe vor gar nicht allzu langer Zeit noch empört auf den Anblick dieser Großmutter reagiert, die ihren Kleinkindenkel auf dem Bahnsteig angeleint neben sich herzog. Nunja. Leinen sind was für Hunde, ich bleibe dabei und sitze abends lieber noch stundenlang vor dem Computer, um den ganzen anderen, unwichtigen Kram zu erledigen, den ich tagsüber nicht schaffe, anstatt mein Kind tagsüber irgendwo festzuketten und abends frei zu haben.

Ich nehme an, irgendwann wird sie doch wohl begreifen, dass man die Treppe auch ganz leicht wieder herunterfallen kann (ja, wir haben ein Treppengitter, aber nur oben bisher), dass der Kinderwagen nicht als Klettergerüst geeignet und die Salatschleuder eigentlich kein Spielzeug ist. Irgendwann. Vielleicht nicht in absehbarer Zeit, aber doch - irgendwann.

L kann jetzt also krabbeln wie der Wind, freihändig stehen, sich an Möbeln entlang hangeln, mit Hilfe ein paar Schrittchen gehen, Dinge auseinandernehmen und wieder zusammensetzen (mit Vorliebe schraubt sie Wasserflaschen auf, nimmt den Deckel ab und packt ihn wieder drauf), klettern und “Arsch” sagen. Das ist jetzt nach “Tschüß”, “Mama”, “Papa”, “Gacht (Gute Nacht)” und “Da” ihr sechstes Wort. Damit könnte sie theoretisch ihren ersten Zweiwortsatz formen: “Tschüß, Arsch.” zum Beispiel. Ihr Vater meinte neulich in einem passenden Kontext, sie habe ja wohl Hummeln in selbigem. Hummeln ist einfach zu schwierig auszusprechen, wie ich einräumen muss.

Bald wird sie schon ein Jahr alt, unsere kleine Stundendiebin mit den wunderbarsten, blauen Augen der Welt.

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Das bisschen Haushalt

November 30th, 2009

Um elf hatte ich begonnen. Um zwölf wollte ich fertig sein. Jetzt ist es halb sieben. Auch nicht schlecht!

Immerhin habe ich eine gute Entschuldigung. Notfalls ist immer das Baby schuld, es kann sich ja noch nicht wehren. Später hat es vermutlich ein eigenes Blog und schreibt dann auf meine Anschuldigungen hin böse Einträge. Aber noch ist es ja nicht soweit! Insofern. Wasn’t me!

Ach deshalb!

November 14th, 2009

Irgendwas war komisch gestern. Wo soll ich anfangen? Das Kind, das inzwischen mit schöner Regelmäßigkeit von ca. 20 Uhr bis 6 Uhr morgens durchschläft, wachte gegen zwei auf und hatte große Lust, bis fünf Uhr Terror zu machen. Nach stundenlangem Geschuckele habe ich resigniert und sie am Ende einfach strampelnd neben mich ins Bett gelegt. Ich bin sofort eingeschlafen. Sie offenbar auch. Gegen zehn Uhr vormittags hat sie mich erst wieder geweckt.

Da war ich vollkommen bedient, schließlich wollte ich ursprünglich spätestens gegen sieben aufstehen, um alles zu schaffen, was ich mir für den gestrigen Tag so vorgenommen hatte. Also verzögerte sich jegliche Planung um jeweils drei Stunden.

Mittags musste ich mit Kind einkaufen gehen. Zur Erläuterung: Die Supermärkte liegen ca. zwei Kilometer entfernt am anderen Ende des Ortes, und isch abe vormittags gar kein Auto. Gehe ja auch gern zu Fuß, so ist es ja nicht. Allerdings weniger gern, wenn es draußen Bindfäden regnet. Aber ich bin ja nicht aus Zucker, und das Kind ebensowenig. Also stiefelten wir mit Regenschutz auf dem Kinderwagen und wasserfester Kleidung los. Das bisschen Nieselregen, kein Problem. Hat sich allerdings kaum gelohnt, der Weg. Bei Aldi waren schon gegen Mittag kaum noch frische Lebensmittel zu bekommen. Alles, was ich wollte, ausverkauft. Zum Glück gibt’s daneben noch Edeka, sonst hätte ich mitten im Supermarkt wahrscheinlich einen Heulkrampf bekommen.

Auf dem Rückweg schüttete es dann eimerweise. Seit gestern weiß ich, der Kinderwagenregenschutz hat seinen Namen nicht verdient. Ende vom Lied: Kind, Mutter und Lebensmittel kamen klatschnasss zurück. Die Fernsehzeitung habe ich später zum Trocknen auf die Heizung gelegt.

Weltuntergangsstimmung bei Mutter und Kind. Letzteres hat den ganzen Heimweg über gebrüllt wie am Spieß. Ich hasse dieses dämliche Regenverdeck, das sich partout nicht vom Kinderwagen ziehen ließ, ohne das darin sitzenden Kind noch mit einem Schwall Wasser abzuduschen. Als würde man eine Markise nach der Sintflut von unten anstupsen.

Nachdem wir uns beide wieder eingekriegt, abgetrocknet und umgezogen hatten, machte ich mich an die profane Arbeit des Geschirrspülerausräumens. Ich griff nach einem Glas, es machte krack!, und schon hatte ich die Hand voller Scherben. Vorsichtig versuchte ich, diese Scherben sanft von der Hand in den Mülleimer kippen zu lassen, ohne mich dabei zu verletzen. Tja. Muss ich noch erwähnen, dass das schief gegangen ist?! Beim Hinabgleiten rutschte mir eine Scherbe knapp an der Pulsader vorbei und ritzte dabei ein beträchtliches Stückchen Haut auf. Ach, hat das herrlich geblutet.

Im selben Moment höre ich ein Kruntscheln aus dem Wohnzimmer. In dem Bewusstsein, das immer mobiler werdende Kind kurz zuvor auf dem Spielteppich abgelegt zu haben, schnappte ich mir ein Küchentuch, drückte dieses provisorisch gegen mein Handgelenk und eilte hinüber. L hatte sich in der Zwischenzeit quer durch den Raum gerobbt und war nun gerade dabei, kräftig am Telefonkabel zu ziehen, sodass das Telefon drohte, herunterzufallen. Also hob ich L flugs mit dem unverwundeten Arm hoch. Allerdings hielt sie sich mit ihren kräftigen Fingerchen hartnäckig am Kabel fest, sodass ich die blutende Hand brauchte, um sie loszumachen.

Tropf, tropf, tropf.

Noch vor sechzehn Uhr war ich bereits fertig mit dem Tag. Nachdem alles halbwegs aufgeräumt, aufgewischt und verarztet war, habe ich mich samt Kind und einer ganzen Packung Pannacottafruchtgummis vor den Fernseher gesetzt und mir frustriert kauend diese neue Frauendingsdatalkshow auf Vox angesehen. Neben einer ganzen Menge Schwachsinn ließen die Damen nebenbei auch eine für mich relevante Information fallen, es sei ja Freitag der 13. Ach, deshalb!

Könnte gar nicht besser

Juni 17th, 2009
Themen: Alltag | 4 Comments »

Anleitung, wie man die löetzten Stunden als 29jährige am besten genießt:

  • im Garten in der Sonne sitzend
  • frischen Latte Macchiato in der Hand
  • mit der anderen einen Kinderwagen hin- und herschiebend
  • Klatschmagazin lesend
  • Kuchen essend

So klappt das auch mit der blendenden Laune. Findet die Tochter auch.

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Im Augenblick

April 9th, 2009

Bald wird hier für uns ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnen, und bevor das der Fall ist, wollte ich noch ein paar Gedanken dazu notieren. Währenddessen höre ich nur das Ticken der Küchenuhr an der Wand und gucke hinaus auf die Terasse, schräg gegenüber gackern die Hühner vom Nachbarn, irgendwo kläfft ein Hund, und sonst höre ich nichts, gar nichts. Ich war von Anfang an gern Schleswig Holsteinerin. Von wegen, viel Horizont und so.

Knapp zehn Jahre habe ich richtig gerne in Hamburg gewohnt. Erst im piefigen Vorstadtfamilienviertel Niendorf, dann im wuseligen Eimsbüttel, schließlich im rauh-warmherzigen Barmbek. MIttendrin statt nur dabei - Busse und U-Bahnen alle fünf Minuten, den nächsten Supermarkt gleich vor der Tür, die nächste Freundin vielleicht zehn Minuten entfernt wohnend. Jeden Tag zur Uni und zur Arbeit, sehr viel Freiheit, abends essen und gemütlich auf dem Sofa einschlafen. Jahrein, jahraus. Auch das ein sehr schönes Leben, so lange es andauerte. Jetzt also seit zwei Monaten das totale Kontrastprogramm: Ein Viertausendseelenort mit zwei Supermärkten und einer Bundeswehrkaserne zwanzig Spazierminuten entfernt, der Bus nach Neumünster fährt an Wochentagen ein Mal pro Stunde, die AKN-Bahn (im selben Takt) braucht 1:15h bis Hamburg, die Freunde also dementsprechend weiter weg (aber zum Glück zahlreich motorisiert), die Nachbarn sind nett (in genau der richtigen Mischung aus Hilfsbereitschaft und Nicht-Kletten), und die Ruhe hier ist einfach nur herrlich. Seit wir hier wohnen, fühle ich mich wie im Urlaub, obwohl ich bis vor Kurzem noch Aufträge und Hausarbeiten fertig stellen musste und damit genügend beschäftigt war. Nun bin ich nicht nur offiziell sondern auch ganz für mich alleine in den Mutterschutz übergangen, lasse alle Fünfe gerade sein, hänge stundenlang in der Sonne auf der Terasse ab und mache gar nichts.

Erst wusste ich nicht mehr, wie das eigentlich geht. Gar nichts machen. Am Anfang habe ich noch hektisch nach Illustrierten oder anderem Lesbarem gesucht, um wenigstens irgendwas zu tun zu haben. Bis ich mich automatisch fragte: wieso eigentlich? Jetzt kann ich das wieder. Gar nichts machen. Ich hab’s wieder gelernt. Das letzte Mal konnte ich das wohl in den letzten, sechswöchigen Sommerferien vor dem Abiturjahr. Ist schon ein Weilchen her.

Tiefenentspannt. Das ist das Wort, das meinen augenblicklichen Gemütszustand wohl am besten beschreibt. Ich könnte nach einer Woche Aufenthalt im Spa nicht entspannter sein. Ich habe keine Ringe mehr unter den Augen, ich habe genug geschlafen, ständig gibt es etwas Gutes zu essen, und wenn mir zu langweilig wird, bastele ich an einer Hochzeitskiste für die ganzen Hochzeitsaccessoires, die sich vergangenes Jahr so angesammelt haben und momentan noch im schnöden Umzugskarton ihr Dasein fristen.

Im Moment fühlt sich alles so richtig an.

Auch das: das störrische Mädchen lässt sich noch Zeit, sie hat eben ihr eigenes Timing. Wenn sie es für richtig hält, wird sie schon den Startknopf finden, da vertraue ich ihr voll und ganz. Ansonsten geht’s ihr prima, die CTGs könnte man im Lehrbuch unterbringen. Noch ist sie auch voll im Plan, erst ab dem 17. könnte man ihr Verspätung ankreiden. Mal sehen, ob sie Ostern noch als Ruhephase mitnimmt, losgehen kann es ja nun wirklich jederzeit. Natürlich sind wir gespannt wie die Flitzebogen, aber so richtig aus der Ruhe bringt mich das nicht. Noch nicht mal die Anrufe und SMS, die hier langsam aber kontinuierlich eintrudeln und unauffällig nach dem allgemeinen Wohlbefinden fragen. Ich freue mich, dass sich alle so darauf freuen. Sie ist hier überall mehr als willkommen, und ich genieße noch ein bisschen die Aufmerksamkeit, denn wenn sie erst mal da ist, sind wir Eltern ja sowieso nur noch Beiwerk. Das ist dann auch okay so.

Und was mache ich jetzt? Wahlalternativen:

  • den Vögeln draußen weiter beim Zwitschern zuhören
  • die neue Eltern-Zeitschrift / die Tageszeitung lesen
  • schlafen (später ein Mittagsschläfchen vielleicht)
  • mal wieder mit meinen Eltern telefonieren (allerdings zucken sie wohl jedesmal zusammen, wenn das Telefon klingelt, kann ich das verantworten?)
  • Musik für meinen ipod raussuchen
  • Maniküre
  • gar nichts.

Ich wähle: Gar nichts. Ach, das ist SO toll.