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Wie oft denn noch…

Juli 4th, 2008

Nein, liebe Kommilitonen, es ist keine gute Idee, ein Referatshandout fünfseitig zu gestalten. Kein Mensch guckt sich alle fünf Seiten an. Handouts sind kurz und knapp zu halten, mit den wichtigsten Stichpunkten drauf. Das lernt man in meinem Hauptfach im ersten Semester, nachdem man vom Prof das erste Mal angeknurrt wurde.

Eine noch schlechtere Idee ist es aber, auf das Zusammentackern der fünf Seiten zu verzichten und sie lose und nacheinander herumzugeben. Das sollte man ebenso wenig tun. Es sei denn natürlich, man ist darauf angewiesen, dass die ersten zehn Minuten mit Verteilungskampf und lautem Geraschel verplempert werden, weil sonst ans Tageslicht kommt, dass man zu wenig vorbereitet hat.

Und das Ganze dann in dieser Umgebung: wenn es Ziel des Innenarchitekten war, die Einrichtung dermaßen öde zu gestalten, dass man allerspätestens nach vier Stunden Seminar aufgrund der vorherrschenden Dunkelheit und des megahässlichen Interieurs mit einer schweren Depression zu kämpfen hat - Glückwunsch. Das ist Euch damals in den Sechzigern beim Philturm wirklich ausgezeichnet gelungen.

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P.S.: Es wird Zeit, dass ich da raus komme, resp.: endlich meinen Magister mache.

Mein Freund Mio

Juli 3rd, 2008

Das erste Mal sind Mio und ich uns in der Grundschule begegnet. Wir hatten gleich ein gutes Verhältnis zueinander, denn wundersamerweise war er der erste Junge in meiner Klasse, den ich mochte. Er war mir von seiner Art her irgendwie nahe. Still, etwas schüchtern, mager und nicht besonders selbstbewusst. Genau wie ich. Wir hätten gute Freunde werden können, da bin ich mir sicher. Ich hätte ihn immer mit nach Hause genommen, mein Papa hätte ihm genau wie mir Rad fahren beigebracht, meine Mutti hätte ihm eine Portion zu Mittag mitgekocht und mir für ihn morgens ein Brot mehr mit zur Schule gegeben. Wir hätten viel Zeit auf irgendwelchen Bäumen herumkraxelnd verbracht, wären zusammen in den Pillebach gefallen und hätten gemeinsam den Sieg der WM ‘90 gefeiert.

Schade nur, dass es meinen Freund Mio in Wirklichkeit nie gab, sondern nur in meiner von Astrid Lindgrens Geschichte Mio mein Mio beflügelten Fantasie.

Ich liebe diese Geschichte vom einsamen Bo Vilhelm Olsson, besser gesagt: Bosse, noch besser gesagt: Mio, dem Waisenkind, dessen Mutter bei der Geburt starb und dessen Vater von den lieblosen Pflegeeltern nur als “Lump” bezeichnet wird, noch heute heiß und innig. Wie er da einsam auf der Bank im Stockholmer Tegnérlunden sitzt, abends, während alle anderen Kinder hinter den hell erleuchteten Fenstern mit ihren Eltern zu Abend essen. Im Mai war ich das erste Mal leibhaftig dort, in diesem Park, dessen Namen ich seit meiner Kindheit kenne. Ein für mich noch heute irgendwie magischer Ort, von dem Bosse auf den Schultern eines Flaschengeistes weggetragen wird, um im Land der Ferne endlich auf seinen Vater, den König, zu treffen und mit ihm als Prinz Mio all das zu erleben, was ihm als Waisenjunge Bosse an Familiärem verwehrt geblieben ist.

Ich muss heute noch schlucken, wenn ich das lese [was ich gerade mal wieder auf Schwedisch tue, weil ich an einer Hausarbeit zum Thema "Farbsymbolik in Astrid Lindgrens Mio mein Mio" schreibe]. Es ist einfach eine wunderschöne Geschichte, die auch jedem Erwachsenen zu Herzen geht, und ich kann nur empfehlen, sie zu lesen und sich in diese Geschichte hineinzuträumen.